Bericht über die Frühjahrsversammlung in Wesel am 25. April 2026
Der Vorsitzende Dr. Norbert Schloßmacher begrüßte bei strahlendem Sonnenschein die anwesenden Vereinsmitglieder und Gäste im LVR-Niederrheinmuseum in Wesel. Einen großen Dank sprach er dem Museum, insbesondere der Leiterin Frau Corinna Endlich, aus und bedankte sich bei den Referenten und der Referentin. Dr. Ulrich Helbach informierte über den guten Kassenstand. Die Förderung des LVR für den Annalenband ist genehmigt, aber noch nicht eingetroffen. Die Geschäftsführerin Frau Ziegelmayer-Thull hat in den vergangenen Monaten die Mitgliederliste aktualisiert.
In seinem Vortrag „Mehr als Dom und Zitadelle. Schlaglichter aus Wesels "Geschichte vom Mittelalter bis heute" gab Wesels Stadtarchivar Dr. Christoph Moß einen kundigen Abriss über die Geschichte des Tagungsortes. In großem Bogen wurde die Entwicklung des frühmittelalterlichen Handelsorts am Rhein, 1241 durch die Klever Grafen zur Stadt erhoben, zum wirtschaftlichen Zentrum des unteren Niederrheins gezogen. Der Ausbau Wesels zum brandenburgisch-preußischen Militärstandort behinderte hingegen seit dem 17. Jahrhundert die zivile Entwicklung der Stadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das historische Wesel fast vollständig zerstört.
Dr. Barbara Rinn-Kupka stellte in ihrem Beitrag „Bislich und die Flürener Aue – Forschung und Geschichtsvermittlung in Wesels Nordwesten“ einen am Rhein gelegenen Ortsteil Wesels mit reicher Geschichte vor. Das von ihr geführte örtliche Museum bezieht in seine Präsentation sowohl den Bislicher Naturraum als auch die Ortsgeschichte ein.
Mit Peter Bruns stellte ein langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege in „Weggeschichte(n) – Karl der Große, Dietrich Luf von Kleve, Moritz von Oranien und die Hessen in Wesel“ Ergebnisse seiner Arbeit vor. Durch Ortsbegehungen sowie die Auswertung archäologischer Befunde, Kartenmaterialien und archivischer Quellen gelangen die Identifizierung alter Wege, die Wiederentdeckung des Standorts der Burg Dravewinkel oder auch neue Erkenntnisse zur Lokalisierung des Ortes Lippeham. Nach einem gepflegten Mittagessen im Weseler Wirtshaus führte Frau Corinna Endlich durch die im Juli 2025 eröffnete neue Dauerausstellung des Niederrheinmuseums. Das 1998 gegründete Preußenmuseum Wesel wurde vom LVR übernommen und 2018 als LVR-Niederrheinmuseum Wesel wiedereröffnet. Eine Neukonzeption des Museums wurde unumgänglich: Man wählte „Leben mit dem Wasser“ als grundlegendes Leitkonzept, in dem fast 800 Jahre Kulturgeschichte Niederrhein erlebbar gemacht werden. Kenntnisreich erklärte Frau Endlich die Hintergründe dieser Neuausrichtung und veranschaulichte an ausgewählten Exponaten aus der eigenen Sammlung und zahlreichen Leihgaben, wie das Konzept erarbeitet und umgesetzt wurde. Besonderer Fokus waren dabei Familienfreundlichkeit und interaktives Erleben von Geschichte für Kinder und Erwachsene.
Yvonne Bergerfurth